Erfahrungsbericht: Schritt für Schritt zurück in den Alltag

Rüdiger Bald erleidet einen Herzinfarkt und bricht zusammen. Nachdem er in einen kardiogenen Schock fällt, wird er in ein künstliches Koma versetzt und durch die Impella® Herzpumpe stabilisiert. So konnte sich sein Herz wieder erholen und Herr Bald wieder Sport treiben.

Erfahrungsbericht: Schritt für Schritt zurück in den Alltag

Am Bahnhof zusammengebrochen

Fünf Wochen auf Intensiv der Uniklinik Marburg, drei weitere Wochen auf Intensiv in der Reha – ich bin am Leben und arbeite mich Schritt für Schritt in den Alltag zurück. Übelkeit als Vorreiter eines Herzinfarkts? – Mit solch einem unspezifischen Symptom hätte ich nicht gerechnet. Mit meinen 67 Jahren hatte ich tatsächlich vor diesem Vorfall noch nie ein Krankenhaus von innen gesehen. Altersbedingt habe ich Diabetes-Typ-II, was als mögliche Ursache für einen Herzinfarkt gedeutet werden kann – meinten auch die behandelnden Ärzte. Dass ich heute noch am Leben bin, habe ich aufmerksamen und hilfsbereiten Mitmenschen zu verdanken, den Ärzten der Universitätsklinik Marburg und auch meiner Familie. Ich kann jetzt wieder mein Leben genießen und bin für alle Momente, die ich mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern verbringen kann, mehr als dankbar.  

Am Mittag des 01. Februars 2017 brach ich plötzlich am Bahnsteig des Marburger Bahnhofs zusammen, wurde bewusstlos und konnte mich an alles, was danach passierte nicht mehr erinnern…

Kurz nach dem Aufstehen am Morgen wurde ich von einer komischen Übelkeit geplagt. Ich dachte mir nichts dabei. Ein guter Freund der Familie ist mit mir zusammen von meinem Heimatort Bad Berleburg ins 60 Kilometer entfernte Marburg gefahren, um eine Bekannte am Bahnhof abzuholen. Während der Fahrt wurde die Übelkeit immer schlimmer. Ich fragte mich, ob ich vielleicht aufgrund meines Diabetes unterzuckert war, denn das hätte noch halbwegs erklären können, warum mir so schlecht war. Ich dachte, es wäre nicht so schlimm, dass es mir an der frischen Luft bestimmt wieder besser gehen würde, und so wartete ich mit meinem Freund am Bahnsteig auf den Besuch. Leider war dies nicht der Fall. „Du musst dich setzen, sonst fällst du um!“ – das war der letzte Gedanke, an den ich mich erinnern kann. Im Anschluss daran wurde alles um mich herum schwarz und ich weiß seitdem nicht mehr, was in den Minuten, Stunden und Tagen danach passiert ist. Mir wurde erzählt, ich sei direkt nach meinem Zusammenbruch von zwei Personen, die zufällig auch am Bahnhof waren, reanimiert worden. Diese waren glücklicherweise Ärzte und wussten sofort, was in dieser Situation zu tun war – wären sie nicht an Ort und Stelle gewesen, würde ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr leben. Mir wäre es sehr wichtig, den mir unbekannten zweiten Arzt zu finden, um mich bei ihm zu bedanken. Dieser ist leider nach der Reanimation am Bahnsteig direkt verschwunden.

Das war für uns schon ein Riesenwunder. Ein Schritt nach vorne.

  

Trotz mehrfacher Reanimation überlebt

Ich musste mehrfach wiederbelebt werden – sowohl am Bahnsteig, als auch im Krankenwagen und später in der Marburger Uniklinik. In dieser für mich lebensbedrohlichen Zeit fiel ich im Rahmen des Herzinfarktes in einen Zustand, den man als kardiogenen Schock bezeichnet: Mein Herz war nicht mehr in der Lage, das Blut durch meinen Körper zu pumpen. Dann versagten meine Nieren und ich musste an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Eine Dialyse wurde notwendig, um meinen Körper zusätzlich zu entlasten. Damit ich mich besser erholen konnte, wurde ich in ein künstliches Koma versetzt. Die Ärzte entschlossen sich, mir während dieser Zeit die Impella Herzpumpe einzusetzen, um mein Herz und meine Organe zu entlasten.

Und sie hatten nicht zu viel versprochen, denn es ging nach drei Wochen wieder bergauf: Mein Herz und Körper konnten sich durch das Einsetzen der Pumpe erholen. Sie war so lange im Einsatz, bis mein Herz die notwendigen Aufgaben wieder von selbst übernehmen konnte. Auch meine Nieren konnten wieder selbstständig arbeiten – die Dialyse wurde abgenommen.

„Das war für uns schon ein Riesenwunder. Ein Schritt nach vorne“ sagten Familie, Freunde und Bekannte im Nachhinein. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, meine Familie an meiner Seite zu wissen. Sie haben mir in dieser Zeit viel Kraft gespendet.

Das zweite Wunder

Am 17. Februar war ich wieder ansprechbar. „Für uns war das zweite Wunder geschehen!“ sagte meine Frau im Nachhinein. Und es war tatsächlich so: Ich hatte keine geistigen Defizite als Folge und mein Herz konnte sich wieder erholen. Und das ist wahrlich ein Wunder. Denn durch die mehrfache Reanimation, die Dialyse, die Medikation und meinem vorhandenen Diabetes, wurde meine Situation seitens meiner behandelnden Ärztin Frau Dr. Markus zunächst als sehr kritisch eingeschätzt. Ich hätte schwerwiegende Folgeschäden, darunter neurologische Schäden, also Schäden am Gehirn und Schäden der anderen Organe, davontragen können.

 

Ein jeder sollte dankbar für die schönen Momente im Leben sein, nichts als selbstverständlich ansehen und aktiv seine Gesundheit erhalten oder verbessern.

  

Kraft tanken in der Reha

Im Anschluss an meinen Aufenthalt im Krankenhaus war ich fünf Monate lang in der Reha. Das war auch nötig und hat mir gut getan. Denn durch das lange Liegen im Bett hatte sich meine Muskulatur abgebaut und durch die Vielzahl der verabreichten Medikamente waren Nervenschädigungen aufgetreten. Ich musste das eigenständige Gehen wieder neu erlernen. Heute bewege ich mich am Rollator und muss Tabletten einnehmen – wahrscheinlich bis zu meinem Lebensabend. Wenn man nach einer solchen Situation jedoch letztendlich wieder auf zwei Beinen stehen kann, nehme ich das in Kauf. Meine Frau und ich haben viel am Haus renoviert und waren in den hiesigen Vereinen tätig. Mein Wunsch ist es, wieder so aktiv sein zu können wie damals – dafür trainiere und übe ich! Mit eigenem Willen und Fleiß habe ich laut Frau Dr. Markus durch ein kontinuierliches Training die Möglichkeit, bald wieder uneingeschränkter im Alltag zu sein. Auch fahren unsere Freunde und wir alle zwei Jahre nach Antholz in Südtirol zum Biathlon und dies hat auch im Januar 2018 geklappt, wir haben dort eine wundervolle Zeit verlebt.

Ich hatte nie Probleme oder Beschwerden mit dem Herzen. Und dennoch traf es mich. Im Nachhinein weiß ich, dass ein Herzinfarkt verschiedenste Gründe haben kann, sich das Herz nicht unbedingt krank anfühlen muss oder schon seit Jahren bereits krank ist. Vor solch einem Schicksalsschlag ist niemand gefeit. Ein jeder sollte dankbar für die schönen Momente im Leben sein, nichts als selbstverständlich ansehen und aktiv seine Gesundheit erhalten oder verbessern.