Erfahrungsbericht: Das Wunder von Luzern

Kurz nach dem Tod seiner Frau erleidet Josef Gasser zwei schwere Herzinfarkte. Als sein Leben am seidenen Faden hängt, wird die Impella® Herzpumpe eingesetzt, um Körper und Herz zu entlasten. Sein Leben genießt er seitdem mehr.

Erfahrungsbericht: Das Wunder von Luzern

Ein bewegtes Leben

Das Leben ist ein Geschenk. Ich genieße es ganz anders als zuvor, denn es kann so schnell zu Ende sein. Ich habe einen großen Schicksalsschlag erlebt: meine Frau ist an Krebs gestorben. Kurz nach ihrem Tod habe ich zwei schwere Herzinfarkte erlitten. Aber ich bin am Leben. Dies habe ich meinem behandelnden Arzt Dr. Florim Cuculi vom Luzerner Kantonspital, den glücklichen Umständen und meinem schnellen Handeln in dieser Ausnahmesituation zu verdanken. Heute leide ich zwar noch an einer eingeschränkten Herzleistung, die ich aber mit Hilfe der Medikamente gut in den Griff bekommen habe und dadurch nicht mehr viel von der Insuffizienz merke. Ich bin sehr dankbar, das Leben wieder in vollen Zügen genießen zu dürfen.

Mit meinen 68 Jahren hatte ich ein sehr bewegtes Berufsleben: Ich habe zunächst als Postbote gearbeitet und war danach lange in der IT-Branche tätig. Im Anschluss daran fand ich eine Stelle im Hausdienst und stand danach bei einem Schlagzeughersteller an der Drehbank. Mein Berufsleben endete, indem ich wieder die Post austrug. Mein Leben war schon immer stressig. Eigentlich wollten meine Frau und ich nach der Pensionierung das Leben zusammen genießen. Jedoch arbeitete ich nichtsdestotrotz mehrmals unter der Woche an einem Grill, um zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Seit Anfang Juni habe ich zudem versucht, die Wohnung mit neuen Möbeln umzugestalten. Dies sollte sogleich auch eine Art Neuanfang sein, denn fünf Monate zuvor ist meine Frau an Lungenkrebs verstorben – nach 43 Jahren Ehe. Einen solchen Verlust kann man nicht einfach so wegstecken. Es setzte mir schwer zu und war womöglich eine Ursache des Herzinfarkts, den ich am 8. Juli 2014 erlitt.

Am Morgen meines Infarkts bin ich extra früh aufgestanden, weil die alten Möbel aus der Wohnung abgeholt werden sollten. Ich habe mir einen Kaffee gemacht, eine Zigarette geraucht und plötzlich wurde mir übel. Während der Leidenszeit meiner Frau hatte man mir im Krankenhaus gesagt, dass man den Rettungsdienst lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anruft. So habe ich nicht lange gezögert und die Notfallnummer in der Schweiz 144 angerufen. Glücklicherweise wohne ich nur drei Kilometer vom Krankenhaus entfernt und habe in meiner Situation tatsächlich noch daran gedacht, die Haus- und Wohnungstür zu öffnen, damit die Rettungskräfte in die Wohnung kommen. Denn kurz nachdem sie das Treppenhaus erreicht hatten, wurde mir schwarz vor Augen. Im Nachhinein weiß ich, dass die Notärzte sofort mit der Reanimation begonnen haben. Dann musste auch die Feuerwehr alarmiert werden, da das Treppenhaus zu eng war, um mich die Stufen hinab zu transportieren. Ich wurde dann mit Hilfe der Drehleiter über den Balkon aus dem Haus in den Notarztwagen befördert. Angekommen im Luzerner Kantonspital wurde ich von Dr. Cuculi betreut, leitender Arzt und Leiter der Akutkardiologie im Herzzentrum des Krankenhauses.

Mein Sohn war zu dieser Zeit mit seiner Familie im Urlaub. Nachdem sie von meinem Herzinfarkt erfahren haben, sind sie sofort zurück gereist und haben mich besucht. Meine Schwägerin, Brigitte Pfulg, der ich sehr viel zu verdanken habe, kam täglich zu mir auf die Intensivstation
 

Ich bin sehr dankbar, das Leben wieder in vollen Zügen genießen zu dürfen.

  

Der zweite Herzinfarkt

Mein Leben hing an einem seidenen Faden. Meine linke Herzkranzarterie war ganz und meine rechte war fast vollständig verschlossen. Ich wurde deshalb in ein künstliches Koma versetzt. Acht Tage später wachte ich auf und erlitt direkt einen zweiten Herzinfarkt. Hinzu kamen weitere Komplikationen: Nierenversagen und eine schwere Lungenentzündung. Sogar die Ärzte hatten mich fast aufgegeben. Eine Dialyse wurde angeschlossen und ein Atemschlauch eingesetzt. Um mein Herz und meinen Körper zu entlasten, setzten mir die behandelnden Ärzte in dieser kritischen und lebensbedrohlichen Phase die Impella Herzpumpe von Abiomed ein. Mein Herz wurde durch sie entlastet und mein Gehirn weiter mit Sauerstoff versorgt. Die Impella ist eine von vielen Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich überlebt habe. Denn bei einem so schweren Herzinfarkt fehlt der Sauerstoff in den Organen, insbesondere im Gehirn und viele Menschen erleiden dadurch oft bleibende Hirnschäden. Bei mir war das Gott sei Dank nicht der Fall. Und auch meine Niere konnte sich durch die Dialyse erholen.

Trotz der vielen Komplikationen habe ich es geschafft – nach drei Wochen Intensivstation kam ich dann endlich auf die Allgemeine Station. Eine Woche später wurde ich dann sogar in die Reha entlassen. Hier sollte ich eigentlich drei weitere Wochen verbringen, jedoch wurde mein Körper durch die zwei Herzinfarkte sehr schwach durchblutet. Eine Folge davon war, dass mir letzten Endes zwei Zehen amputiert werden mussten.

Wöchentliche Kontrolltermine

Nahezu ein Jahr lang konnte ich keine 100 Meter gehen, ohne mich zwischendurch ausruhen zu müssen. Meine Wohnung liegt im 4. Stock, ohne Aufzug. Mein Körper war so schwach, dass ich mich im Treppenhaus in jeder Ebene ausruhen musste. Ich nehme täglich elf Tabletten zu mir. Sie unterstützen mich zusätzlich zu meiner geänderten Lebensweise bei meinem Erholungsprozess. Ich kann nun wieder eine Stunde am Stück wandern gehen, komme die Treppen zu meiner Wohnung problemlos hoch. Jeden Monat gehe ich zur Kontrolle zu meinem Hausarzt sowie mehrmals im Jahr ins Krankenhaus für einen Herzcheck, eine Überprüfung meiner Gefäße und Durchblutungstests. Ich habe durch die Herzinsuffizienz zwar nur noch eine aktuelle Herzleistung von 25%, aber damit lässt es sich ganz gut leben.

Manchmal treffe ich Dr. Cuculi im Krankenhaus. Er sagt dann öfter mal zu mir ich sei „das Wunder von Luzern“, denn er hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich nach so einem schweren Infarkt und nachfolgenden Komplikationen jetzt noch am Leben bin und mich wieder so gut erholt habe. Ich habe mich im Krankenhaus immer sehr wohl gefühlt. Das Ärzteteam hat sich immer sehr gut um mich gekümmert und wir haben schon fast ein freundschaftliches Verhältnis zueinander – ich verdanke Ihnen mein Leben.

 

Manchmal treffe ich Dr. Cuculi im Krankenhaus. Er sagt dann öfter mal zu mir ich sei „das Wunder von Luzern.

  

Jeder Tag ist ein Geschenk

Außer meinen fehlenden Zehen, einer Herzinsuffizienz und etwas Wasser in der Lunge habe ich heute keine gravierenden Schäden. Ich hatte Glück. Heute male ich Bilder in meinem Atelier, gehe wandern oder treffe mich mit Freunden. Das Malen macht mir Spaß und ich kann mich dabei entspannen. Ich ernähre mich gesund und esse nicht zu üppig, um mein Gewicht zu kontrollieren. Denn sobald ich mich auf die Waage stelle und eine plötzliche Gewichtszunahme von zwei Kilo bemerke, liegt die Vermutung nahe, dass das Wasser in meiner Lunge zugenommen hat und ich womöglich besser einen Arzt aufsuchen sollte.

Im Moment bin ich dabei, mir meinen großen Wunsch zu erfüllen: ich organisiere meine eigene Ausstellung, meine Bilder werde ich im ältesten Kraftwerk der Schweiz zeigen. 2016 habe ich meiner Lebensgefährtin Conny Simmen auch eine neue Liebe gefunden. Sie hat sich sehr um mich bemüht und dazu beigetragen, dass es mir heute wieder so gut geht. Ich genieße mein Leben ganz anders als zuvor, ich sehe nichts mehr als selbstverständlich an, denn es kann in kurzer Zeit so viel passieren – man sollte immer dankbar für die Zeit sein, die man auf Erden hat.